Als Blogautor schaut man natürlich gerne hin und wieder, wer sich so auf seiner Seite rumtreibt. Man kann natürlich nicht direkt schauen, wer da ist - aber man kann relativ leicht sehen, woher Leute kommen. Viele kommen über Google. Und dann sieht man auch, mit welchem Suchbegriff sich der Klick verbunden hat. Oft geht es um "Wörter mit 12 Buchstaben" oder ähnlichem. Die Leute sind vermutlich eher enttäuscht über mein kleines sprachliches Angebot - sorry dafür.
Erstaunlich oft wird aber auch "Ralf Hoßbach" gegoogelt, oder "Ralf Hoßbach Telekom". Entweder der Mann leidet an einer Form extremen Ego-Googlings. Oder aber wirklich viele Leute wollen gerne wissen, wer der Mann ist, der so lustige Briefe schreibt.
So oder so, ich glaube, er ist ein sehr einsamer Mensch. Er firmiert nämlich auf den Schriftstücken der Deutschen Telekom als "Leiter Kundenservice". Und meine auf persönliche Erfahrung gestützte Vermutung ist, dass diese Abteilung klein sein dürfte. Sehr klein. Sehr, sehr klein. Um nicht zu sagen: Ich befüchte, Herr Hoßbach ist dort der einzige und völlig damit ausgelastet, Briefe auszudrucken und zuzukleben. Oder aber es gibt Ralf Hoßbach gar nicht, sondern Telekom-Chef Rene Obermann hat einfach irgendwo bei russischen oder chinesischen Spammern eine Unterschriften-Clipart mit diesem Namenszug gekauft, den Rest erledigen mehr oder weniger intelligente Computerprogramme, die ja auch den Email-Schriftverkehr mit den Kunden wortreich ignorieren abwickeln.
Alles ziemlich spekulativ. Die Telekom scheint mir einfach nicht zu bekommen. Ich habe ja, nun, wie soll man es sagen, ein winziges Problem mit dem ehemaligen Staatsmonopolisten, zu dessen treuen Kunden aus Überzeugung (es war früher eben nicht alles schlecht) ich mich zähle. Ich habe darüber ja schon ein bisschen geschrieben, hier zum Beispiel, und hier. Aber auch hier.
Im Kern könnte man sagen, dass ich seit geraumer Zeit, es sind etliche Wochen, versuche herauszufinden, warum die Telekom mir plötzlich einen T-Online-Account in Rechnung stellt. So von einem Monat auf den anderen. Ohne dass ich mich erinnern kann, etwas getan zu haben. Mails hatten wenig Sinn und wurden mit variierenden Floskel-Ansammlungen beantwortet, die im Kern "haben Sie Geduld" beinhalteten. Ein Anruf bei der Hotline führte nur zu weiterem Warten. Und irgendwann kam ein Brief, der mir zwar keine Antwort gab, mir aber mitteilte, eine Kündigung meines T-Online-Accounts sei nur schriftlich möglich.
Nun, ich bin vielleicht hartnäckig, aber doch noch nicht völlig durchgeknallt. Deshalb habe ich den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und einfach schriftlich den T-Online-Account, von dem ich so gern wüsste, woher ich ihn plötzlich (wieder?) habe, gekündigt.
Und heute? Heute übertrifft sich die Telekom wieder einmal selbst. Herr Hoßbach schreibt mir. Und zwar, dass meine Kündigung angekommen sei und es der Telekom leid täte, dass ich gekündigt hätte. Und dann schreibt er weiter (und das ist jetzt nicht erfunden, sondern die Wahrheit und nichts als die Wahrheit):
Da wir unsere Leistungen stetig verbessern möchten, sind wir sehr an Ihrer Meinung interessiert. Deshalb melden wir uns in den nächsten Tagen noch einmal telefonisch bei Ihnen, um die Gründe, die zu Ihrer Entscheidung geführt haben, besser zu verstehen. Wir freuen uns auf das Gespräch!
Nein, die Reaktion beweist: tot ist die Telekom noch nicht. Da funktioniert noch was. Wenn Reize über das vegetative Nervensystem kommen, zuckt es. Da werden Kündigungsbestätigungen verschickt und so. Alle Kommunikation auf das Minimum runtergefahren, aber irgendwas lebt da noch. Doch ehrlich gesagt, ich befürchte der Laden ist hirntot. Wenn man die Kunden erst dann zurückruft, wenn sie bereits gekündigt haben und vorher jedes Gespräch verweigert, dann kann man das nicht anders nennen.
Auf der anderen Seite: Wer weiß, ob wirklich jemand anruft. Wenn, dann freue ich mich auch. Ich diktiere ihr oder ihm dann den Link zu dieser Seite und bitte darum, dass er das als Grund für meine Kündigung eingibt. Und wenn ich mutig bin, dann frage ich sie oder ihn auch noch, ob sie oder er schon mal Herrn Hoßbach gesehen hat. In der Kantine vielleicht.